Enthüllung der Skulptur “Incubus” von Vittore Bocchetta – Dauerleihgabe vom Verein für Paul-Pfinzing-Gymnasium Hersbruck

Kunstlehrer Ulf Geer, Schüler Valentin Bräutigam und Thomas Wrensch vom Doku-Verein enthüllen die Skultpur “Incubo”. – Foto: K. Bub

Das Paul-Pfinzing-Gymnasium ist um ein Kunstwerk reicher: Seit Mittwoch ziert die Aula eine Skulptur von Vittore Bocchetta. Der Zeitpunkt der Enthüllung war nicht zufällig gewählt. Denn am Mittwoch feierte der Italiener, der zu den Überlebenden des KZ Hersbruck gehört, seinen 99. Geburtstag.

Wenn der Künstler auch persönlich nicht anwesend sein konnte — er sei nicht reise­fähig, so Thomas Wrensch vom Verein „Dokumentationsstätte KZ Hersbruck“ —, so schickten die jewei­ligen Redner doch jede Menge Glückwünsche vom Hersbrucker Gymnasium aus Richtung Italien. Dort lebt Vittore Bocchetta in Verona.

In seinem Buch „Jene fünf verdammten Jahre“ erinnert er sich an seine wohl schreck­lichste Zeit. In Italien hatte sich Bocchetta während des Zweiten Weltkriegs dem Widerstand gegen die deutsche Wehrmacht ange­schlossen. Er wurde verhaftet, landete im Konzentrationslager erst in Flossenbürg, dann in Hersbruck. Obwohl er hier Schlimmstes erleben und ertragen musste, nennt Bocchetta Hersbruck heute eine „Stadt, in der er Freunde hat“, wie Wrensch erläuterte.

Der Austausch zwischen dem Italiener und dem Doku-Verein sei eng. Und so habe der Verein mit Unterstützung von Landkreis, Stadt Hersbruck, Hewa und privaten Spendern eine Skulptur von ihm erworben: „Incubo“ (Albtraum). Die steht nun als Dauerleihgabe in der Aula des Gymnasiums, für jedermann zu den Schulzeiten öffentlich zugängig.

Eigene Zeichnungen

Schüler von PPG-Kunstlehrer Ulf Geer hatten sich bereits im Vorfeld mit der Skulptur künst­le­risch ausein­an­der­ge­setzt und zum Beispiel eigene Zeichnungen dazu entworfen, wie der Zwölftklässler Valentin Bräutigam dem Publikum erklärte. Die Vitrine für „Incubo“ fertigte Geer, der dafür auch die Geräte des FabLab Nürnberger Land nutzen konnte, aus ausran­gierten Physikschränken an. Zudem baute er einen Zahnrad-Mechanismus ein, mit dem jeder Betrachter die Skulptur selbst drehen und so von allen Seiten aus betrachten kann. „Drehen, sehen, verstehen“ steht auf dem Rad geschrieben.

Ein inter­ak­tiver Ansatz, der PPG-Chef Klaus Neunhoeffer ganz aus dem Herzen spricht. Während eine Auseinadersetzung mit dem Dritten Reich mit erho­benem Zeigefinger zu Distanz führen könne, würde diese Art des Umgangs mit der Vergangenheit viel mehr Prozesse beim Betrachter anstoßen und zu Gedanken und Diskussionen anregen.

Auch Landrat Armin Kroder freute sich über diesen „offenen und profes­sio­nellen Umgang mit der Geschichte“. Für den Doku-Verein hatte er eine Spende im Gepäck, die Wrensch dankend annahm. Schließlich habe der Verein mit dem Erwerb der Skulptur seine Kasse doch ziemlich belastet. Spenden seien daher sehr will­kommen, so der Vorsitzende.

Seit 2015 befindet sich übrigens auch in der Johannes-Scharrer-Realschule in Hersbruck ein Werk Bocchettas: ein Bild mit dem Titel „Consumati“. Und so waren gestern auch Vertreter der SMV der Realschule bei der feier­lichen Enthüllung der Skulptur von Vittore Bocchetta im PPG dabei. „Vittore“, der Name erinnere ihn an Viktor (Sieger), so Thomas Wrensch bei seiner Ansprache. Doch Bocchetta sei eigentlich „kein Sieger geworden“, so der Vorsitzende des Doku-Vereins nach­denklich, „und dann wieder doch“..

Text: Katja Bub von der Zeitung “Das Nürnberger Land”