Hersbrucks Gedächtnisstütze (Zitat Hersbrucker Zeitung) – Jahreshauptversammlung 2018

Am 19. März 2018 fand wieder eine Jahreshauptversammlung statt.

Ist der “Dokuverein” nun über­flüssig, da es eine Gedenkstätte für das KZ Hersbruck gibt? Das verneinten sowohl Bürgermeister Robert Ilg in der Jahreshauptversammlung des rührigen Vereins als auch die Mitglieder selbst. Die Erinnerung wach­halten, um der Zukunft willen, das schälte sich im Verlauf des Abends als Hauptanliegen heraus und einige Projekte sollen noch verwirk­licht werden.

Das Thema, das den Vereinsmitgliedern derzeit am meisten unter den Nägeln brennt, ist das Gedenkzeichen für die aus Hersbruck depor­tierten Sinti. Nach einem holp­rigen Anfang mit Missverständnissen und geteilten Meinungen zwischen Stadtverwaltung, Nachfahren der Sinti und dem Doku-Verein (.) bewegen sich alle wieder aufein­ander zu – und in eine gemeinsame Richtung, wie Vereinsvorsitzender Thomas Wrensch und Bürgermeister Robert Ilg hoffen.

Das Ziel dieser Richtung könnte ein “Ort der Menschenrechte” in Hersbruck sein. Dort soll das Gedenkzeichen für die Sinti und Roma, für das bereits eine zweck­ge­bundene Spende der Bruno-Schnell-Stiftung exis­tiert, einen Platz bekommen. Gleichzeitig soll ein Ort der Besinnung geschaffen werden, wo aller Menschen gedacht werden kann, die in Zeiten des Nationalsozialismus unter dem Regime leiden mussten. Ein Ort, an dem man sich in Zeiten aktu­eller poli­ti­scher Not versammeln könnte, um über Werte und Ziele gemeinsam nach­zu­denken. Diesen Bezug zu Gegenwart und diese Bedeutung für die Zukunft hielten einzelne Stimmen ebenso wie Bürgermeister und Vorstand für zentral.

Der Entwurf von Bildhauer Uli Olpp für das Gedenkzeichen ist im Verlauf der Diskussion unter die Räder gekommen. Wrensch bedauert dies sehr, denn die Platte mit den ausge­sparten mensch­lichen Silhouetten ist für ihn immer noch das stärkste Bild für die Lücke, die die aus Hersbruck verschleppten Sinti in der Stadtgemeinschaft hinter­lassen haben – eine Lücke, die bis heute nicht geschlossen ist.

Dieser Entwurf soll über­ar­beitet werden, es wird laut über die Beziehung von Schülern nach­ge­dacht, die gemeinsam mit Uli Olpp Gestaltungsmöglichkeiten erar­beiten sollen. Das Zusammenwirken mit jungen Menschen könnte Fördergelder frei­setzen. Zwar wollte sich keiner der Verantwortlichen auf eine Zeitachse fest­legen lassen, ein Ortstermin mit Vereinsmitgliedern, Vertretern der Schulen und Rathausvertretern könnte aber schon nach den Osterferien stattfinden.

Der Verein stand den Plänen zur “Erweiterung”, oder wie Thomas Wrensch es sich als Formulierung wünscht: “Vergegenwärtigung”, weit­gehend offen gegenüber. Finanzielle Bedenken konnten durch staat­liche Fördermittel beschwichtigt werden. Als möglicher Platz tauchte immer wieder der Rosengarten auf, auch wenn viele Stimmen sich einen zentra­leren Standort gewünscht hätten. So auch Erich Schneeberger, der Geschäftsführer vom Verband der Sinti und Roma (.).

Ein weiteres Projekt, das sich noch in der Schwebe befindet, ist das “Häftlingsbuch”. Peter und Ingrid Schön arbeiten seit 13 Jahren an Biografien von Gefangenen des Hersbrucker KZ. Das Kapitel Vittore Bocchetta wurde bereits als Auszug veröf­fent­licht. Vereinsmitglieder drängten auf eine Fertigstellung bis Ende Juli, um vor der Veröffentlichung notwendige Arbeiten erle­digen zu können.

Fertig gestellt und gut ange­nommen worden ist Paul Kornmayers Büchlein über die Hersbrucker Sinti-Familien. Er erhielt Lob und Applaus für seine akri­bische Recherchearbeit (.).

Die mannig­fal­tigen Aktivitäten des Vereins ließ Thomas Wrensch noch Revue passieren, neu war die Mitwirkung Wrenschs und Kornmayers an dem Workshop “Forced Labour Serbia, Germany” (Zwangsarbeit in Serbien und Deutschland) im Doku-Zentrum auf dem Reichparteitagsgelände in Nürnberg erst vor wenigen Tagen. In engli­scher Sprache stellten sie für das inter­na­tionale Publikum ihren Verein und die Arbeit mit Lubisa Ljetic vor.

Die Agenda 2018 ist gut gefüllt mit der geplanten Veröffentlichung des Häftlingsbuches, dem Vorantreiben des Gedenkzeichens und der Feier des 100. Geburtstages von Vittore Bocchetta am 15.11.2018 mit einer beglei­tenden Ausstellung im Kunstmuseum Hersbruck. Aber auch die eher “alltäg­lichen” Aufgaben wollen erledigt sein: Gedenkveranstaltungen, ein waches Auge auf die KZ-Gedenkstätte haben, wo auch mal verschlossene Türen oder “einge­frorene” Bilder die Besucher empfangen, und die Arbeit an der Homepage wollen neben den Großprojekten gestemmt werden.

Der Verein fühlt sich als mitnichten über­flüssig, sondern würde sich im Gegenteil über finan­zielle und tatkräftige Unterstützung freuen.

Text: UTE SCHARRER
Hersbrucker Zeitung, 29./30. März 2018