Gedenken an Hersbrucker Sinti-Familien – Am 8. März 1943 wurden Hersbrucker Sinti-Familien verschleppt

Verband der Sinti und Roma sowie der KZ Dokuverein prangern fehlendes Mahnmal an

Wir müssen aufpassen und wachsam sein“ – Mit diesen Worten hat Klaus Wiedemann, 2. Vorsitzender des Vereins Dokumentationsstätte KZ Hersbruck, am gest­rigen Freitag die Gedenkfeier anlässlich der Deportation von Sinti Familien aus Hersbruck am 8. März 1943 eröffnet. Die Mahnung kommt nicht von ungefähr, marschierten doch erst im Februar am ehema­ligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg 18 Neonazis auf.

Foto oben: Weil in Hersbruck noch immer ein Gedenkstein fehlt, gedachten die Menschen zwischen Bürgerbüro und Rathaus der Verschleppung Hersbrucker Sinti-Familien am 8. März 1943. Foto: K. Bub

„Wir haben die Verantwortung, dafür Sorge zu tragen, dass sich solche Geschehnisse wie in der Nazi-Zeit nicht wieder­holen“, betonte Landrat Armin Kroder in seiner Rede, der an diesem Tag auch für Bürgermeister Robert Ilg und dessen Stellvertreter Peter Uschalt sprach. In aller Deutlichkeit verwies er auf Artikel 1 des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unan­tastbar“. „Was für ein gewal­tiger und großer Satz“, sagte er.

Wie es aber um Menschenwürde im Dritten Reich bestellt war, zeigte Erich Schneeberger, Geschäftsführer des Bayerischen Landesverbandes der Sinti und Roma. „Nach heutigem Forschungsstand wurden 16 Hersbrucker Sinti – Männer, Frauen und Kinder – der Familien Lehmann, Höllenreiner, Strauß und Schmitt im März 1943 aus dieser Stadt depor­tiert. Neun von ihnen wurden später in den Konzentrations- und Vernichtungslagern ermordet“, sagte er.

Foto Dreiergruppe: Am Alten Friedhof zeigte Rudolf Höllenreiner (Mitte), ein Angehöriger der früheren Hersbrucker Sinti-Familie Höllenreiner, Landrat Armin Kroder Bilder seiner Vorfahren, die 1943 von den Nazis ins KZ verschleppt wurden. Die Fotos sind im Buch “Verfolgt, depor­tiert, ermordet” von Paul Kornmayer (links) zu sehen. Foto: K. Bub

Klare Worte fand Schneeberger auch zu den Diskussionen um ein ange­dachtes Mahnmal in Hersbruck, das auf eben diese Deportation der Sinti und Roma hinweisen soll. Im Hersbrucker Stadtrat, so erzählte er, sei dabei die Frage aufge­kommen, ob – wenn hier ein eigen­stän­diges Erinnerungszeichen für Sinti und Roma errichtet würde – sich nicht später auch andere Opfergruppen melden und ihrer­seits ein Mahnmal fordern würden. So sei die Idee nach einem gemein­samen Mahnmal für alle Opfergruppen entstanden. „Diesen Gedanken weise ich zurück“, sagte Schneeberger entschieden.

„Außer Juden und Sinti und Roma gab es keine weiteren Opfergruppen, die fami­li­en­weise aus ihren Häusern geholt, in die Konzentrationslager depor­tiert und dort syste­ma­tisch zu Tode gequält wurden“, erklärte er seinen Standpunkt. Und weiter: „Ein solches Mahnmal gehört ins Zentrum jener Stadt, in der diese Menschen einst gelebt und gear­beitet haben.“

Foto rechts: Erich Schneeberger sprach für den Bayerischen Landesverband der Sinti und Roma. Foto: K. Bub

Kinder starben

Weil es besagten Gedenkstein für die depor­tierten Sinti und Roma in Hersbruck derzeit noch nicht gibt, brachte eine kleine Abordnung die Kränze zum Alten Friedhof. Dort liegt unter anderem Rosa Lehmann, geborene Höllenreiner, begraben. Sie wurde am 8. März 1943 aus ihrer Wohnung geholt und ins KZ gebracht. Rosa Lehmann über­lebte Auschwitz, ihre beiden kleinen Kinder nicht. Sie starben im Alter von drei und sieben Jahren.

Fotos und Text: K. Bub HERSBRUCKER ZEITUNG