Boccetta Ausstellung im Kunstmuseum – Ausstellungseröffnung im Kunstmuseum zum 100. Geburtstag Vittore Bocchettas

Foto (us): Vittore Bocchetta während der Live Video Übertragung

Bocchettas Appell: Wir brauchen einander – Im Kunstmuseum feiert eine Ausstellung den 100. Geburtstag des Künstlers und früheren KZ-Häftlings – „Basta Finito!“ – Die Videobotschaft von Vittore Bocchetta, die aus Anlass seiner Ausstellung zum 100. Geburtstag im Kunstmuseum gezeigt wurde, dauerte nur 45 Sekunden und wurde vom greisen Jubilar mit obigen Worten ener­gisch beendet. Doch die kurze Ansprache hatte es in sich und wurde von der „Geburtstagsgesellschaft“ mit warmen Worten erwidert.

„Eine Geburtstagsfeier nur um des Geburtstages willen? Das würde für mich keinen Sinn machen!“ – Vittore Bocchetta, der am 15. November in Verona seinen 100. Geburtstag feiern durfte, fand deut­liche Worte für ein geplantes Fest zu seinen Ehren. Der Hundertjährige, der zu Zeiten des Nationalsozialismus im KZ Hersbruck inhaf­tiert gewesen war, überlebt hatte und die Schrecken dieser Zeit in seiner Kunst verar­beitete, hat vielmehr eine Botschaft und die tat er kund.

Philosophen als Lichtblick

In seiner kurzen Ansprache konnten die Gratulanten im voll­ge­packten Kunstmuseum hören, was Bocchetta den Hersbruckern und auch den Deutschen zu sagen hat. Freund und Mitarbeiter Sergio Mastrosimone aus Verona war persönlich vor Ort, um zu über­setzen und zu erklären: wie Bocchetta bereits in jungen Jahren die großen Vordenker, die deutsch­spra­chigen Philosophen wie etwa Kant, Schopenhauer und Hegel als „Streichhölzer in der Dunkelheit“ empfand, die ihn auch in seinen schwersten Zeiten über Wasser hielten, damals, als die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten dieses Licht ausge­pustet zu haben schien.

„Jetzt“, so Bocchetta, „gibt es hier eine solide Demokratie. Doch was, wenn Europa nun zerbrechen würde?“ Ein welt­of­fenes Europa sei unab­dingbar, um die Fehler der Vergangenheit nicht zu wieder­holen. Die Verbundenheit in der Vergangenheit müsse auch in die Zukunft wirken, lobte Bocchetta die uner­müd­liche Erinnerungsarbeit des Vereins Dokumentationsstätte Hersbruck. „Italien braucht Deutschland und Deutschland braucht Italien, oder Verona braucht Hersbruck und Hersbruck braucht Verona“, ergänzte Sergio Mastrosimone.

Schon im Vorfeld hatte Landrat und Bezirkstagspräsident Armin Kroder für ähnliche Werte plädiert, als er seine guten Wünsche für den Jubilar in die laufende Handykamera sprach: „Die Menschen in diesem Raum trifft viel­leicht keine Schuld für die Verbrechen der Vergangenheit, sie stehen aber sehr wohl in der Verantwortung, so etwas nicht wieder geschehen zu lassen und Extremismus und Rassismus scharf abzu­lehnen.“ Kroder sprach dem Verein Dokumentationsstätte Hersbruck und seinem Vorsitzenden Thomas Wrensch seinen aller­höchsten Respekt aus: zunächst gegen Widerstände hätten sie die Erinnerungskultur in Hersbruck zu einer festen Größe gemacht.

Wrensch selbst fand warme und persön­liche Worte für „Caro Vittore“, den „lieben Vittore“. Er sei stolz darauf, Bocchetta kennen zu dürfen, auch als Vorbild für kommende Herausforderungen, von denen noch niemand wisse, wie sie aussehen werden.

„Ohne Namen sind Sie einst nach Hersbruck gekommen, nun haben Sie einen Namen bei uns“, würdigte er Bocchetta und forderte als Aufgabe der Gegenwart einen „aufrechten Gang, anzu­er­kennen, dass jedes mensch­liche Wesen uner­mess­lichen Wert habe und alle Menschen der Freude teil­haftig werden können, die das Leben eben auch beinhalte“. Für diese Aufgabenstellungen sei jemand wie Bocchetta so wichtig, der „uns warnt und uns wach hält für den Lebensauftrag: Werde Mensch!“

Werke in Hersbruck

Von der herz­lichen Beziehung der so zahl­reich erschie­nenen Gäste mit „ihrem Vittore Bocchetta“ zeigten sich auch Annabelle Lienhart, Historikerin und Mitarbeiterin in der Historischen Abteilung der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, und Volontärin Katharina Winter beein­druckt. Sie hatten es möglich gemacht, dass zahl­reiche Arbeiten Bocchettas nun für einige Zeit in Hersbruck zu sehen sein werden. „Es ist auch einfach schön, dass sie mal wieder von vielen Betrachtern gesehen werden“, so Lienhart. Vittore Bocchetta als den Künstler zu sehen und zu ehren, der er eben auch war und ist, war das Anliegen von Museumsleiter Uli Olpp. Die Ausstellung mit hoch­ka­rä­tigen Arbeiten, die bis in die Gegenwart reichen, sei lohnend und wichtig. Er begrüßte neben Kroder auch Iris Plattmeier, ihren Vater, verschiedene Stadträte und viele Engagierte sowie Barbara Raub, die am Paul-Pfinzing-Gymnasium „gegen das Vergessen“ arbeitet. Ein Abend voller notwen­digem Pathos und ohne einen falschen Ton.

(us) HERSBRUCKER ZEITUNG

Termine der Ausstellung über Bocchetta bis 27. Januar 2019

Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag von 15 bis 18 Uhr
Sonntag von 14 bis 18 Uhr
27. Januar 2019, 16:00 Uhr, Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, Finissage mit musi­ka­li­scher Begleitung
Das Kunstmuseum ist vom 24. Dezember bis 8. Januar geschlossen.