Die Jury des Kunstwettbewerbs ErinnerungsRÄUME

Die acht Juroren stellen sich vor.
Sie sind ExpertInnen aus dem Kunst- und Kultursektor, sind Historiker und Mitglieder des Doku-Vereins.

Wir haben Ihnen zwei Fragen gestellt, die sie bei ihrer Vorstellung beantworten.

  1. Was sind die Schwerpunkte der beruf­lichen Aufgabe/Arbeit?
  2. Worin liegt der Sinn einer Erinnerungskultur in Hersbruck?

Johannes Billich

Komponist, Künstler, Dozent
Mail: johannes.billich@gmx.de
Musik/Komposition (Studium: Jazz)

 

  1. Ich sehe es als meine Aufgabe, Erfahrungsräume zu schaffen, die als autark-imaginäre Welten heilende Wirkung entfalten können. Dabei geht es oft um die orga­nische Verknüpfung von Arbeitsfeldern, beispiels­weise Komponist/Improvisator, Musiker/Künstler, Lehrender/Lernender.
  1. Je mehr Orte im kollek­tiven Bewusstsein mit NS-Verbrechen in Verbindung gebracht werden, desto näher rücken diese Orte poten­ziell unserem Lebensmittelpunkt und finden so Eingang in unsere tägliche Reflexion. Da ein direkter Austausch mit Zeitzeugen bald nicht mehr möglich sein wird, ist eine lebendige Erinnerungskultur uner­lässlich, um den Menschen von der Abstraktion in die Empathie zu helfen.

Barbara Leicht

Leiterin Amt für Kultur, Stadt Neumarkt i.d.OPf.
Bildende Kunst (Studium: Kunstgeschichte, Christliche  Archäologie)
Mail: barbara.leicht@neumarkt.de
Tel.  09181 255‑2620

  1. Ein quali­tativ wie inhaltlich hoch­wer­tiges Kulturangebot für alle Zielgruppen zu schaffen ist Schwerpunkt meiner Arbeit in Neumarkt. Hierzu konzen­triere ich mich auf lokale Spezifika und regionale (EMN und Oberpfalz) Vernetzung.
  2. Erinnerungskultur ist eine wichtige Grundlage, mit der sich die Bürgerinnen und Bürger und besonders die nach­wach­senden Generationen mit der Geschichte ihrer Stadt und deren Umland ausein­an­der­setzen sollten. Dies gilt für Hersbruck und alle anderen Orte ebenso.

 

Martin Lösch

Literatur (1982 Abitur Schwerpunkt Geschichte und Französisch, Facharbeit 1981 Reichsparteitagsgelände in Nürnberg) Buchhandelslehre, ab 1988 selb­stän­diger Buchhändler in Hersbruck

Buchhandlung Martin Lösch
Mail: info@les-art.de
Tel. 09151 1666
www.les-art.buchhandlung.de

  1. Meine Frau, die eine Buchhandelslehre in Hersbruck bei Brigitta Stöber absol­vierte, wurde hier auch bald auf die Facharbeit von Gerd Vanselow aufmerksam. Wir haben beide mit großer persön­licher Anteilnahme die Entwicklung bei der Arbeit an der Aufarbeitung Hersbrucker Geschichte verfolgt. Und sind den Personen, die sich hier mit großem Engagement beteiligt haben, sehr dankbar. So können wir uns hier auch einmal einbringen, indem wir ihre Arbeit unter­stützen. Hersbruck zeigt beispielhaft den langen Atem, den Erinnerungsarbeit benötigt.
  1. Die Führung einer Buchhandlung erfordert sehr viel Zeit, Engagement und eine enorme Leseleistung. Eine gute und mit einem anspruchsvoll-kriti­schen Sortiment ausge­stattete Buchhandlung zu betreiben ist uns sehr wichtig. Dazu gehört eine gut sortierte histo­rische Abteilung mit den wenn möglich immer vorhan­denen Publikationen des Dokuzentrums Hersbruck.

Zudem orga­ni­sieren wir Lesungen, Leseförderung an Schulen, Lesereisen, etc., und setzen Schwerpunkte zu Themen, die uns beschäftigen.

Thomas Wrensch

Vorstand des Dokumentationsstätte KZ
Hersbruck e.V.
Geschichte des KZ Hersbruck (Studium: ev. Theologie)

Mail: dtwrensch@t‑online.de
Tel: 09151–862338

  1. Ich bin Pfarrer in der evang.-luth. Kirche in Bayern und habe 17 Jahre als Gemeindepfarrer in Bamberg und Henfenfeld gear­beitet, anschließend 20 Jahre im Schuldienst als Religionslehrer in Nürnberg und Hersbruck.
  2. Es geht um die Gestaltung des Zusammenlebens in Stadt und Land – heute und in Zukunft. Die konkrete Erinnerung an die Erfahrungen der NS-Zeit verbunden mit Respekt und Gedenken der Opfer bewahren vor Unmenschlichkeit und Verbrechen und leiten zu mensch­lichem Miteinander in der Gesellschaft an.

 

Christoph Gerling

Künstler (Malerei, Graphik, Objekte), ehem. Dozent an der AdBK  Nürnberg
Bildende Kunst (Studium: Malerei)
Mail: christoph-gerling@arcor.de
Tel. 09151 /7614
www.christoph-gerling.de

  1. Der Schwerpunkt meines beruf­lichen Lebens als Lehrender an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg war die Kunst und ihre Vermittlung. Diese Tätigkeit dauerte 28 Jahre. Danach meine eigene Kunst, und auch fort­laufend Inspiration für Kolleginnen und Kollegen.
  2. Der Sinn einer Erinnerungskultur in Hersbruck ist die Visualisierung der Geschehnisse im Zusammenhang mit dem KZ Hersbruck.

 

Ralf Weiß

Dehnberger Hof Theater e.V.
Mail: rw@dehnbergerhoftheater.de
Tel. 09123 95 449–0 www.dehnbergerhoftheater.de   

 

  1. Ich bin im Dehnberger Hof Theater als Theaterleiter tätig und trage Verantwortung für die künst­le­rische Ausrichtung und die Geschäftsführung des Theaterbetriebes. Besonders wichtig für mich ist bei der Programmgestaltung, dass unsere Eigenproduktionen neben dem Anspruch unter­haltsam zu sein, immer auch einen „Bildungsaspekt“ beinhalten. Das ist auch der Grund dafür, dass unser Haus mit den Mitteln des Theaters pädago­gi­schen Arbeit mit Schülern und Jugendlichen anbietet. Bildung kann helfen die Grundlage zur Entscheidungsfindung zu vergrößern. Das ist gut.
  1. Gerade an den Orten, an denen unvor­stell­bares Leid geschehen ist, muss die Kenntnis darüber und das Andenken daran im Besonderen an nach­fol­gende Generationen vermittelt werden. Das erhält die Wachsamkeit.

Dr. Alexander Schmidt

Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
Museen der Stadt Nürnberg
Geschichte (Studium: Historiker)

Mail: alexander.schmidt@stadt.nuernberg.de
Tel: 0911–2318412
https://museen.nuernberg.de/dokuzentrum

 

  1. Als wissen­schaft­licher Mitarbeiter des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände erar­beite ich Ausstellungen und Vermittlungskonzepte auf dem Gelände, forsche zu den Reichsparteitagen und dem Reichsparteitagsgelände und beant­worte die zahl­reichen Anfragen zum Themenfeld Nationalsozialismus, die an dasd Dokumentationszentrum heran­ge­tragen werden. Auch Führungen und Vorträge gehören zu meinen Aufgabengebiet.
  2. Es ist insgesamt wichtig, das die Geschichte des Nationalsozialismus und seiner Folgen auch vor Ort greifbar wird. Hersbruck/Happurg zeigt exem­pla­risch, dass die Gewalt des Nationalsozialismus vor aller Augen stattfand. Auch die Würdigung der Opfer des KZ-Außenlagers muss ein wich­tiges Anliegen der Erinnerungskultur in Hersbruck/Happurg sein.

Peter Wendl

seit 2016 Akademischer Rat Akademie der Bildenden Künste Nürnberg
Lehrbereich Transmediale Räume
Bildende Kunst

Mail: wendl@adbk-nuernberg.de
Tel: +49 911 9404206
www.peterwendl.de

  1. Künstler und Bühnenbildner. Forscht derzeit über „Bilddiskurse auf dem ehema­ligen Reichsparteitagsgelände“. Daraus entstand die International Public Summer School 2021 „Bilder vom Gelände“, die sich mit Erinnerungskulturen auf dem ehema­ligen Reichsparteitagsgelände beschäftigt.
  2. Die Gräueltaten des NS-Regimes waren an allen Orten glei­cher­maßen grausam. Deshalb steht außer Frage, dass jeder Ort, an dem NS-Verbrechen verübt wurden, Teil unserer Erinnerungskultur sein muss. Kleinere Gedenkorte wie die „Dokumentationsstätte KZ Hersbruck“ bieten dabei even­tuell die Möglichkeit zu indi­vi­du­el­leren, persön­li­cheren Erinnerungsformen, die – im Vergleich zu den großen Erinnerungsorten – weniger abstrakt und damit um so wich­tiger sind.