Dokumentationsstätte KZ Hersbruck

Bernhard Teitelbaum

„Würde ich zu viel verlangen, hätte ich ein schlechtes Gewissen und im anderen Falle würde ich mich ärgern – in beiden Fällen wäre für mich die Sabbatruhe gestört.“ Bernhard Teitelbaum.

So berichtet der Sohn des Rummelberger Diakons Fred Hacker über die Begegnung seines Vaters mit dem Sonderschullehrer und ehema­ligen Rabbinerschüler Bernhard Teitelbaum, woraus Mitte der 60er Jahre eine tiefe Freundschaft wurde. „Mein Vater erhielt 1966 als Vorsitzender der Kreisjugendrings Bamberg und CVJM Sekretär den Theodor Heuss Preis für die Wiederherstellung des schwer geschän­deten Jüdischen Friedhofes. Dies war genau um die Zeit der Aufnahme der diplo­ma­ti­schen Beziehungen zwischen der BRD und Israel. Die Ereignisse gingen damals um die ganze Welt. Der erste deutsche Botschafter kam am Flughafen Ben Gurion in Israel an. Das ganze Land Israel war darüber gespalten.
Mein Vater war schon zweimal vorher mit jungen Menschen zum Jugendaustausch und Arbeitseinsätzen auf einem Kibbuz gewesen. Nördlich des See Genezareth war noch Sumpf- und Malariagebiet. Die Jugendgruppe hatte frei, mein Vater wollte an einem Sabbat eine antike Münze erwerben. Doch eine Bezahlung der wert­vollen Münze lehnte Herr Teitelbaum ab. Seine Begründung:

„Würde er zu viel verlangen, hätte er ein schlechtes Gewissen und im anderen Falle würde er sich ärgern – in beiden Fällen wäre für ihn die Sabbatruhe gestört.“

Mein Vater regte Bernhard dringend an seine fürch­ter­lichen Erlebnisse von 1941 bis 1945 für die nächsten Generationen aufzu­schreiben. Es wurden 3 dicke Schulhefte, die ich maschi­nen­schriftlich nieder­legte. Dieses einmalige Geschenk und Erbe der Freundschaft zur Familie Teitelbaum reicht nun schon bis in die vierte Generation.“ Die Erinnerungen erschienen 1996 unter dem Titel „…..ob ich schon wanderte im finstern Tal“ (Psalm 23,4) im Eigenverlag, 2001 gab es eine Neuauflage. 

Bernhard Teitelbaum in seiner Wohnung in Nahariya, hier schrieb er seine Erinnerungen nieder.

Das letzte Mal – ich hoffe nicht das „letzte“ – war ich für eine Woche im Januar 2020 in Israel bei den Freunden. Karl-Matthias Hacker, Mühlhausen, im Mai 2020

 

Bernhard, geboren am 27.1.1920 in Budapest/Ungarn starb am 9.06.2001 in Nahariya/Israel. Er konnte nur noch seine drei Enkel erleben: Rachel, Michael und Nadev. Seine Frau Elisabeth wurde 95 Jahre alt. Sie verbrachte ihre letzten Jahre vom nörd­lichen Nahariya entfernt im südlichen Ashkalon in einem Seniorenstift „Halbergine“, nur 10 Autominuten entfernt von ihren beiden Töchtern Sarah (*1946) und Rifka (*1949), die beide noch in einem Flüchtlingslager in Österreich geboren waren.

Teitelbaum, Bernhard Ben Zion.
Aufnahme, K‑M Hacker

Seine Frau Elisabeth Teitelbaum (1988)

Bernhard Teitelbaum an der Jordanquelle bei Dan, Kyriat Shmona

Seine Frau Elisabeth serviert täglich Kaffee

Bernhard Teitelbaum und Fred Hacker in Moshav Nir Hen bei Tochter Sarah 

Bernhard Teitelbaum und Fred Hacker vor Rosch Hanikra, Grenze Libanon