Dokumentationsstätte KZ Hersbruck

Doggerstollen bei Happurg

Doggerstollen Happurg – Eine Bestandsaufnahme 1944 – 2018

Eine wissen­schaft­liche Arbeit über den Zustand des Doggerstollens erstellte Ulrich Lang im März 2018

Das Doggerwerk in der Houbirg bei Happurg

Unter der Tarnbezeichnung Doggerwerk begannen im Mai 1944 die Arbeiten an der Houbirg. Eine unter­ir­dische Fabrik für BMW-Flugzeugmotoren von 120.000 Quadratmetern Fläche sollte entstehen, berichtete Walter von der Linden, Betriebsdirektor der ‘Deutschen Schachtbau’, in einem der Nachkriegsprozesse. Unter der Anleitung von 400 deut­schen Bergleuten mussten die Häftlinge im Schichtbetrieb rund um die Uhr schuften. Am Bau waren die Firmen AEG, Thosti, Tauber, Hoch-Tief AG und die Siemens Bau-Union beteiligt.
Acht verbundene Stollen, die sich zu Hallen von fünf Metern Höhe und bis zu sieben Metern Breite ausweiten, wurden aus dem Berg gesprengt. Bis zum Einmarsch der Amerikaner hatte die Anlage eine Gesamtlänge von 4,03 Kilometern erreicht. Jeden Tag mussten die Häftlinge die fünf Kilometer Entfernung vom Lager Hersbruck nach Happurg bis zur Baustelle marschieren.

Ab 1943 war die alli­ierte Luftwaffe so über­legen, dass sie jeden Ort in Deutschland bombar­dieren konnte. Verstärkt wurden Rüstungswerke ange­griffen. Deshalb wurde der „Jägerstab“ einge­richtet, bestehend aus Vertretern des Rüstungs- und des Reichsluftfahrt-minis­te­riums, des SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamtes und der Flugzeugindustrie. Er legte sein Augenmerk verstärkt auf die Produktion von Jagdflugzeugen.
Der SS-General Hans Kammler wurde mit der Durchführung dieser Maßnahme betraut. Im Frühjahr 1944 befahl er der Betriebsführung von BMW, die Fertigung des Hochleistungsmotors “BMW 801” vom Werk Allach bei München untertage zu verlegen, und zwar in den Bergstock Houbirg bei Happurg.
Bis Frühjahr 1945 waren erst 20 % der geplanten Fläche ausge­schachtet, die Stollen waren weit­gehend im Rohzustand. Eine Produktion fand darin nicht statt.

Film zur Baumaßnahme 2018 von StBA Nürnberg

Zur Geschichte und Geologie einer unter­ir­di­schen Rüstungsfabrik (extern)

Der einzige heute noch vorhandene Zugang zum Stollensystem, der Stolleneingang “F” ist mit einer Tresor-Tür vor unbe­fugtem Eindringen Doggerwerk gesi­chert. Besucher können und dürfen das Doggerwerk nicht betreten.

Die Stollen des Doggerwerkes durch­ziehen mit einer Höhe von fünf Metern und einer Breite zwischen fünf und sieben Metern den Berg Houbirg bei Happurg. Nur die ausbe­to­nierten (gesi­cherten) Stollenabschnitte wären ohne Gefahr begehbar. Der Wunsch nach einer Ausstellung in einem dieser Abschnitte wird von vielen Besuchern gäußert.

Hochleistungsmotor BMW 801