Vereinschronik 2001

Bericht der Hersbrucker Zeitung “Neues Leben in altem Gemäuer”

Wildzirkelturm

HERSBRUCK (kohl) – Die Stadt hat den Wildzirkelturm am Mauerweg saniert und darin zwei Arbeitsräume für den Verein “Dokumentationsstätte KZ Hersbruck e.V.” einge­richtet. Außerdem kann man durch diesen Turm nun auf den Wehrgang der Stadtmauer steigen, der voriges Jahr restau­riert worden ist.
“Ich meine, wir haben eine gute, sinn­volle Nutzung gefunden für einen Teil unserer Geschichte”, sagte Bürgermeister Wolfgang Plattmeier, als er den Turmschlüssel an den Vereinsvorsitzenden Konrad Tzschentke übergab. Im Wildzirkelturm, der noch viele Besucher sehen wird, begegnen sich nun Hersbrucker Geschichte aus dem Mittelalter und aus der NS-Zeit.

“Wir müssen deutlich machen, dass die Zeit zwischen 1933 und 1945 eine Zeit war, die sich nicht wieder­holen darf”, sagte Plattmeier. Dazu dient die Arbeit des Vereins, dem die Stadt im Turm zwei kleine Zimmer mietfrei über­lässt. Um die Einrichtung muss der Verein sich aller­dings selber kümern. Er trägt auch die Kosten für Gas, Wasser und Strom.
Durch den Wildzirkelturm führt nun eine Treppe hinauf zum Wehrgang, der voriges Jahr mit Stadt- und Spendengeldern und dem Erlös einer Tombola saniert worden ist. Der Bürgermeister versprach, dass der Gang künftig von Anfang April bis Ende September tagsüber für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Die Frau, die seit vielen Jahren im Spitaltor wohnt, soll die Zugänge am Wildzirkel- und Spitaltorturm um 10 Uhr auf- und um 19 Uhr zusperren.
Durch städ­tische und private Initiativen hat sich der Bereich um die nörd­liche Stadtmauer in den letzten Jahren stark gemausert. Plattmeier lobte das Engagement von Dr. Anna M. Scholz für Kunstmuseum und Skulpturengarten und erin­nerte an eine kommunale Maßnahme, die eng damit zusam­men­hängt: “Die Stadt hat im Graben Grundstücke gekauft und mit Städtebaufördermitteln – gegen den Widerstand einiger weniger – gestaltet.” Das von Norbert Thiel umge­baute Haus am Spitaltor füge sich schön ein, und das Teuchert-Anwesen sei recht ordentlich geworden, befand der Rathauschef.

Besuch ehema­liger Häftlinge aus Frankreich

Bericht der Hersbrucker Zeitung vom 28.07.01

Franzosen am KZ-Mahnmal
Auf ihrer Jahresreise zu den ehema­ligen Konzentrationslagern besuchte eine Abordnung der fran­zö­si­schen Association de Flossenbürg auch wieder Hersbruck. Stationen waren die – bis 17. August verlän­gerte – Ausstellung in der Sparkasse, das KZ-Mahnmal an der Amberger Straße und das ehemalige Lagergelände um das heutige Amt für Landwirtschaft.
Etwa 40 Personen umfasste die fran­zö­sische Reisegruppe; dabei waren neben ehema­ligen KZ-Insassen und deren Angehörigen auch Jugendliche, die an dieser Rundfahrt als Anerkennung für gute Leistungen in einem Wettbewerb an fran­zö­si­schen Schulen zum Thema “Frankreich während der Nazi-Zeit” teil­nehmen durften.
Als Abgeordneter der Stadt Hersbruck und in Vertretung des Bürgermeisters begrüßte Stadtrat Paul Kornmeyer die Abordnung an der Gedenktafel. Verkehrsamtsleiterin Petra Hoffmann übergab Gutscheine für ein Bratwurstessen in der Gaststätte Michelsberg.
Gruppe war tief bewegt
Michel Glisson, Vizepräsident der Association de Flossenbürg, bestä­tigte in seiner Ansprache, dass die Gruppe tief bewegt sei von der Ausstellung der Dokumentationsstätte KZ Hersbruck in der Sparkasse. Es sei beachtlich, wie eindrucksvoll der Verein das wenige zur Verfügung stehende Material aufge­ar­beitet habe. Während die fran­zö­sische Nationalhymne abge­spielt wurde, legten Vertreter der Delegation einen Kranz an dem Mahnmal nieder.
Im Anschluss an die kurze ergrei­fende Zeremonie versam­melte sich die Abordnung auf dem ehema­ligen KZ-Gelände neben dem Amt für Landwirtschaft. Roger Caille, ein ehema­liger KZ-Häftling in Hersbruck, zeigte, wo damals die Unterkunftsbaracken standen und berichtete von seinen leid­vollen Erlebnissen jener Zeit. Er erzählte, dass nur drei von insgesamt 180 Franzosen die Lagerzeit überlebt hätten. Er selbst habe sich bei den Arbeiten an den Happurger Doggerstollen absichtlich den Zeigefinger seiner linken Hand von einer Lore zerquet­schen lassen, um ins Krankenrevier zu kommen. Sein Körpergewicht habe nur noch 35 kg betragen. “Ich war dünn wie eine Fischgräte”, berichtete er. Nur glück­liche Umstände hätten ihm das Leben gerettet. Nach der Bombardierung des Hersbrucker Lagers zu Ostern 1945 war er nach Dachau verlegt worden, wo er am 29. April 1945 von Soldaten der US-Armee befreit wurde.
Wie geht man heute damit um?
Den letzten Wandertag des Schuljahres nutzten die Kollegiaten und Kollegiatinnen des Paul-Pfinzing-Gymnasiums mit ihren Kursleiterinnen Mergler und Fickel zu einer Exkursion zum Gelände des früheren KZ Hersbruck. Viele zeigten sich erstaunt über die Ausmaße des Lagers an der Amberger Straße. Dank der exzel­lenten Führung von Wilhelm Henke vom Verein Dokumentationsstätte KZ Hersbruck konnten die Örtlichkeiten genau erfahren oder besser gesagt ergangen werden. Mit gelber Farbe wurden nämlich die Wachtürme und die Eckpunkte des Lagers exakt auf dem heute ja voll­ständig ander­weitig genutzten Gelände markiert.
Zu einer ersten Information dienten der Videofilm von Gerhard Faul und ein einfüh­rendes Gespräch mit H. Henke, das den Schülern Zugang zur Zeit des Nationalsozialismus ermög­lichte. Immer wieder wurde auch die Frage der Gedenk-Arbeit disku­tiert. Sollte man z.B. einen Wachturm rekon­stru­ieren oder stört das viel­leicht so nahe am geplanten Thermalbad? Wäre es richtig, an Stelle des Kreuzes, das in der heutigen Siedlung Erlenstraße stand, eine Gedenktafel aufzu­stellen oder zumindest an den Lagergalgen in irgend­einer Form zu erinnern?
Unerwartet war aller­dings für die ganze Gruppe das spontane, sich recht emotional entwi­ckelnde Gespräch mit einer Hersbrucker Bürgerin, die zufällig anwesend war. Es machte allen bewusst, wie wenig die Thematik KZ Hersbruck in der Bevölkerung noch aufge­ar­beitet ist. Dass dies in einem Miteinander von Jugend und alten Menschen gelingen kann, dazu lieferte die gesamte Veranstaltung einen guten Beitrag.
Georg Bauer

Rock gegen Rechts

Der Arbeitskreis “Rock gegen rechts” in Hersbruck hat am  07.07. 2001 auf der Wiese hinter dem Jugendzentrum in Hersbruck ein Konzert orga­ni­siert!  Der Erlös in Höhe von 1000.- DM wurde dem Verein Dokumentationsstätte KZ Hersbruck e.V. bei der Begleitveranstaltung zur Ausstellungseröffnung am 12. Juli 2001 über­geben.
- VIELEN DANK!
Die Mitglieder des AK “Rock gegen Rechts” sind
Hannes Plattmeier, Florian Reif, Martin Thiemann, Phillpp Schwarm, Jörg Habermann, Sebastian Zemzcak, Sebastian Wild, Michael Arnold 

Im Vorfeld der Veranstaltung erreichten uns diese persön­lichen Sätze:
Wir wollen zeigen, dass auch Jugendliche sich aktiv gegen Rechtsradikalismus enga­gieren.
Wir bedanken uns für finan­zielle, aber auch ideelle Unterstützung bei allen Sponsoren. Weiter sind wir über die spontane Bereitstellung des Veranstaltungsortes durch das JUZ Hersbruck froh, da uns die erhoffte Location im Paul-Pfinzing-Gymnasium verwehrt wurde. 

Folgende Bands sind aufge­treten:
The Robocop Kraus, The Cherryville, mild­blumig, Andersch, Dubios, The Plane is on Fire, Dr.Caligari

Ausstellungseröffnung

Die Ausstellung ist vom 5. Juli bis zum 3. August 2001 in der Kundenhalle der Sparkasse Hersbruck zu sehen.
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8 bis 15,30 Uhr, Donnerstag bis 18 Uhr

Berichterstattung zum Panorama-Beitrag

Das Polit-Magazin strahlte am 10. Mai 2001 einen Beitrag zum Umgang mit der deut­schen NS-Geschichte aus. Darin wurde auch Hersbruck erwähnt. Der “Runde Tisch für Zivilcourage – gegen Rechtsextremismus und Gewalt” in Hersbruck disku­tierte über die etwas einseitige Darstellung.