Vereinschronik 2008

KZ-Hersbruck und das Doggerwerk – Ausstellung und Filmvorführung in der Realschule Gräfenberg

Die Ausstellung vor der Veranstaltung

Das Publikum beim Vortrag

Am Montag, 10. November 2008, fand am Abend eine Kooperationsveranstaltung der Stadt Gräfenberg, des Bürgerformus Gräfenberg, des Medienladens e. V. Nürnberg und der Dokumentationsstätte KZ-Hersbruck in der Gräfenberger Realschule statt. Nach den einfüh­renden Worten von Bürgermeister Wolf, Schulrektor Maas und Peter Schön, dem Vorsitzenden des Hersbrucker Gedenkstättenvereins, zeigte Gerhard Faul, ein Mitglied des Vereins und Vertreter des Medienladens, seinen Film zu diesem Thema. Danach ergänzte P. Schön die Darstellung des Films durch einen Lichtbildervortrag und ging auf den aktu­ellen Entwicklungsstand der Gedenkstätte Hersbruck ein. Nach dem Rundgang durch die Austellung fand noch ein reger Gedenkenaustausch zwischen den Besuchern und den Vertretern der Veranstaltung statt.

Mit der Veranstaltung soll präventiv rechts­ex­tremen Einstellungen vorge­beugt werden. Am Beispiel der Leiden der Gefangenen des Konzentrationslagers Hersbruck wird deutlich wohin Intoleranz, Ausgrenzung und Rassismus führen.

Trotz des ungüns­tigen Termins war diese Veranstaltung mit etwa 60 Personen gut besucht.

Gedenken an die Opfer der NS-Verbrechen im Raum Hersbruck/Happurg – Gedenkfeier am 8.11.08 in Schupf

Die Vertreter der Kirche und der Posaunenchor vor dem Urnendenkmal

Dr. Ritzer bei seiner einfüh­renden Rede

Seit etwa 20 Jahren lädt der ehemalige Vizepräsident des Bayerischen Landtags, Dr. Helmut Ritzer, zur Gedenkfeier im Wald bei in Schupf. Die SS hat in Schupf etwa 1000 Leichen verbrannt – Leichen aus dem KZ-Förrenbach und dem KZ-Hersbruck. In den Wintermonaten 1944–45 waren so viele Häftlinge im KZ-Hersbruck und auch im Lager Förrenbach gestorben, dass die Krematorien nicht mehr in der Lage waren, alle Leichen zu verbrennen. 1950 hatte der Landkreis eine große, stei­nerne Aschenurne aufstellen lassen, in der die Reste der verbrannten Häftlinge bestattet wurden. Heute findet jedes Jahr am 9. November zu ihrem Gedenken die oben­ge­nannte Feier statt.
Als Gastredner hatte Dr. Ritzer in diesem Jahr den Bezirkstagspräsidenten Richard Bartsch gewonnen. In seiner eindrucks­vollen Rede wies Herr Bartsch auf die Notwendigkeit von solchen Veranstaltungen und auf die Notwendigkeit der Erinnerungsarbeit im Allgemeinen hin.
Viele promi­nente Politiker und Träger von öffent­lichen Funktionen, sowie auch viele inter­es­sierte Bürger, darunter einige Mitglieder unseres Vereins, waren zur Veranstaltung gekommen. Mit einer Kranzniederlegung der Vertreter der fünf im Bezirkstag vorhan­denen Parteien und dem Segen der Vertreter der verschie­denen Konfessionen endete die Veranstaltung. Muskialisch wurde die Feier vom Posaunenchor Kainsbach/Schupf umrahmt.

Anschließend: Ausstellung über das KZ-Hersbruck und die Doggerstollen

Im Rahmen der 950-Jahrfeier der St. Georgskirche Happurg zeigte unser Verein seine Ausstellung bei der evan­ge­li­schen Kirchengemeinde in Happurg.
Nach der Begrüßung von Gastgeber Pfarrer Schiffner eröffnete Bezirkstagspräsident Bartsch mit einer kleinen Rede die Ausstellung. Dr. Alexander Schmidt, Vertreter der Gedenkstätte Flossenbürg, ging in seiner Rede auf die Zusammenhänge zwischen dem KZ-Zentrallager Flossenbürg und seiner Außenstelle KZ-Hersbruck ein. Der Vereinsvorsitzende Peter Schön erläu­terte die Ausstellung mit einem Lichtbildvortrag. Die Darstellung des Lagers Förrenbach übernahm die Studentin Nicole Czelhan, die vor drei Jahren noch als Schülerin eine Facharbeit zum Thema “Lager Förrenbach” verfasst hat. Danach hatten die Besucher Gelegenheit zum Rundgang durch die Ausstellung und zu Gesprächen mit den Veranstaltern.

Beide Veranstaltungen waren erstaunlich gut besucht.

Erläuterung der Ausstellung durch Peter Schön

Hr. Barsch bei der Eröffnung der Veranstaltung

Bericht von der Jahreshauptversammlung am 17. März 2008

Der neu gewählte Vorstand

P. Schön und K. Tzschentke bei der “Amtsübergabe”

Der 2. Vorsitzende P. Schön berichtete von verschie­denen Vorgängen aus der Geschäftsstelle und über die Aktivitäten des Vereins 2007.
Dabei hervor­zu­heben ist der Vortrag vor einer Bundeswehreinheit zum Thema KZ Hersbruck und Doggerwerk am 1. Februar 2007, sowie der anschlie­ßende Besuch auf dem Gelände des ehema­ligen KZs und eine Fahrt zu den Doggerstollen.
Am 8. Mai 2007 war die Einweihung des Bocchetta-Denkmals am Rosengarten.
Am 22. Juni 2007 waren zwei Mitglieder des Vereins bei der Eröffnung der neuen Ausstellung in Flossenbürg zugegen. Anschließend kam es zu einer anrüh­renden Begegnung mit einem ehema­ligen Häftling, den wir bis dahin noch nicht kannten: Ljubisa Letic aus Novi Sad in Serbien.
Im November 2007 und Januar 2008 fanden die tradi­tio­nellen Gedenkfeiern in Schupf und Hersbruck statt.
Die Hauptaktivität des Vorstandes bestand in dem Bemühen um die Erstellung eines Ausstellungs-und Erinnerungspavillons auf dem ehema­ligen KZ-Gelände. Weitere Bemühungen bestanden im Kontakt mit verschie­denen ehema­ligen Häftlingen und deren Angehörigen, darunter der Besuch der fran­zö­si­schen Gruppe, tradi­tionell im Juli.
Eine kleine Gedenkfeier für Alfred Nerlich fand am 22. Dezember 2007 statt.
Soweit der Auszug mit den wich­tigsten Aktivitäten.
Das Projekt Pavillon nimmt jetzt offen­sichtlich Gestalt an, denn im Frühjahr 2008 übegab die Stadt Hersbruck an die Stiftung Bayerischer Gedenkstätten ein Grundstück von ca. 500 qm. Der Vertreter der Stiftung, Dr. Alexander Schmidt, berichtete uns auch davon, dass eine staat­liche Baubehörde aus Weiden die Planung und Durchführung über­nehmen wird. Wir hoffen, dass wir bei der Planung einge­bunden werden.
Als zweiter wich­tiger Punkt stand die Neuwahl des Vorstandes auf dem Programm:
1. Vorsitzender ist Peter Schön, 2. Vorsitzender Klaus Wiedemann. Als Kassenprüfer hat sich dankens­wer­ter­weise Günther Seiz weiterhin zur Verfügung gestellt. Der bisherige 1. Vorsitzende Konrad Tzschentke sicherte seine weitere Mitarbeit als Beisitzer im Vorstand zu. Als weitere Beisitzer wurden Wilhelm Altmann und der frühere 2. Vorsitzende Wilhelm Henke gewählt.
Im Jahr 2008 sollen Bemühungen des Vereins auf ähnlichen Feldern wie bisher statt­finden. Dabei sollte die Öffnung der Doggerstollen auch wieder ins Blickfeld genommen werden. Die Arbeit mit Schülergruppen und anderen Jugendgruppen werden als zukunfts­wei­sende Maßnahmen dabei nicht vergessen. Auch Aktionen gegen Rechtsradikale, die sich bei uns in der Region schon bemerkbar gemacht haben, sollen auf dem Programm stehen.

Gedenkfeier 27. Januar 2008

Vor der Skulptur von Vittore Bocchetta

Gedenkgottesdienst in der Spitalkirche

Der 27. Januar ist in Deutschland seit 12 Jahren der “Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus”.
In Hersbruck fand 2008 zu diesem Tag eine Gedenkfeier im Rahmen eines ökome­ni­schen Gottesdienstes statt, zu dem die Hersbrucker Kirchen sowie der Verein Dokumentationsstätte Hersbruck einluden. Die Veranstaltung begann um 17:00 Uhr in der goti­schen Spitalkirche und hatte zum Inhalt ein Erinnern an die Geschehnisse im ehema­ligen KZ Hersbruck. Bei der dies­jäh­rigen Feier stand der ehemalige Häftling Vittore Bocchetta im Mittelpunkt, der eine Skulptur zum Gedenken an die Opfer in Hersbruck entworfen hatte.
Eine Darbietung von Psalmen und Fürbitten, verlesen durch verschiedene Sprecher, schloss sich daran an, ebenso wie der Vortrag des Gedichts von B. Brecht “Kinderkreuzzug”. Umrahmt wurden die Textteile durch Musikstücke mit Cello und Orgel sowie durch Gemeindelieder. Etwa um 18:00 Uhr begab man sich in einem Schweigemarsch mit Kerzen in der Hand zum Rosengarten, in dem die Bocchetta-Skulptur seit einem Jahr aufge­stellt ist. Dort wurde ein Text von V.Bocchetta verlesen, der erst vor kurzem im italie­ni­schem Fernsehen gesendet worden war. Abgeschlossen wurde die Veranstaltung mit dem gemein­samen Taizé-Lied “Im Dunkel der Nacht”.
Die Veranstaltung war sehr gut besucht (etwa 120 Personen), auch von lokalen und regio­nalen Politikern, und fand großen Anklang bei allen Beteiligten aufgrund ihrer gelun­genen Darbietungen und ihres stim­mungs­vollen Rahmens. Auch in der lokalen Presse fand die Veranstaltung eine ange­messene Würdigung.