Informatives

Literatur

Sklavenarbeiter für den Endsieg

KZ Hersbruck und das Rüstungsprojekt Dogger von Gerhard Faul mit einem Beitrag von Dr. Eckart Dietzfelbinger

176 Seiten – mit vielen Abbildungen und Plänen

ISBN 3–00–011024–0

Preis: 13 Euro, erhältlich im Buchhandel und beim Verein

Ab 1943 gelten die alli­ierten Luftangriffe vor allem der deut­schen Rüstungsproduktion. Die NS-Führung beginnt mit der Verlegung kriegs­wich­tiger Fabriken in geschützte unter­ir­dische Räume. Priorität hat die Herstellung von Jagdflugzeugen.
35 Kilometer östlich von Nürnberg soll im Berg Houbirg ein Stollensystem zur Produktion von Flugzeugmotoren der Firma BMW entstehen. Das Projekt steht unter Leitung der SS und erhält die Tarnbezeichnung ‚Dogger‘. Im Mai 1944 beginnen die Arbeiten. Viele namhafte Baufirmen aus ganz Deutschland erhalten Aufträge.
Auf halber Höhe der Houbirg beginnt an mehreren Stellen gleich­zeitig der Stollenausbruch. Unten im Tal entsteht beim Dorf Happurg ein umfang­reicher Bauhof. Eine neue Bahnlinie wird den Berg hinauf gebaut. Neben deut­schen Ingenieuren und Technikern arbeiten SS-Sträflinge und Fremdarbeiter für das Rüstungsprojekt. Doch die über­wie­gende Mehrzahl der Arbeitskräfte sind KZ-Häftlinge. Sie müssen den gesprengten Abraum aus den Stollen schaffen. Zur Unterbringung der Häftlinge lässt die SS am Stadtrand von Hersbruck direkt neben dem städ­ti­schen Freibad ein Konzentrationslager errichten. Im Februar 1945 sind fast 6000 Menschen in dieses Lager gesperrt. Es ist das dritt­größte KZ in Süddeutschland. Kurz bevor die Produktion in den ersten Stollen beginnen soll, rücken Mitte April 1945 ameri­ka­nische Truppen auf Hersbruck vor. Für die KZ-Häftlinge beginnt der Todesmarsch Richtung Alpen. Fast jeder zweite Häftling überlebt das mörde­rische Arbeitstempo nicht, stirbt durch herab­bre­chendes Gestein, an Krankheiten wie Typhus und Ruhr.
Bis Kriegsende ist eine gitter­förmige, insgesamt vier Kilometer lange Anlage in der Houbirg entstanden. Die beto­nierten Stollen befinden sich heute in einem gut erhal­tenen Zustand.

Ein Zeitzeugenbericht

Gefangenschaft in den Konzentrationslagern Groß-Rosen und Hersbruck – Flucht auf dem Todesmarsch von Alfred Nerlich.

Herausgegeben von der Dokumentationsstätte KZ Hersbruck e. V., bear­beitet von Peter Schön.

Erscheinungsjahr 2009, Nachdruck 2013. Das Geheft umfasst 20 Seiten DIN A 4 und ist über die Dokustätte KZ Hersbruck zum Preis von 8 Euro erhältlich.

Alfred Nerlich stammte aus dem schle­­sisch-polni­­schen Grenzgebiet und wurde im August 1940 von der Gestapo Glogau verhaftet. Er verbrachte zunächst 2 Jahre im Gefängnis in Glogau. Anschließend wurde er ohne Verurteilung in das KZ Groß-Rosen über­führt. Anfang 1945 wurde das KZ Groß-Rosen evakuiert und Alfred Nerlich kam mit 1.500 Leidensgenossen Mitte Februar 1945 in das KZ Hersbruck. Nach seiner Befreiung Ende April 1945 blieb Alfred Nerlich weiterhin in Hersbruck. Dort starb er im Jahr 2006 im hohen Alter von 95 Jahren. Im Jahr 1999 hat er seine schreck­lichen Erlebnisse während der Gefangenschaft nieder­ge­schrieben, die die Grundlage dieses Textes bilden.

Ljubiša Letic; Überlebender der Lager Flossenbürg und Hersbruck, Nur wir Betroffenen wissen, durch welche Hölle wir gegangen sind

hrsg. Peter Schön und Doku­mentationsstätte KZ-Hers­bruck, Über­setzung M. Marko­vic, 2012, ISBN 978–3‑9815005–0‑9, 8,95 €.

Der Zeitzeugenbericht des Überlebenden aus Novi Sad in Serbien schildert eindrücklich die Lebens- und Arbeitsbedingungen des 19-jährigen Häftlings in Hersbruck, der als einer der wenigen Überlebenden heute noch erzählen kann.

Bocchetta Vittore; Jene fünf verdammten Jahre.

Aus Verona in die Konzentrationslager Flossenbürg und Hersbruck, Schriftenreihe Non dimen­ticare 1, Lage 2003 und 2009, ISBN 978–3‑89918–118‑1, 12,90 €.

Der Gelehrte und Künstler Vittore Bocchetta reflek­tiert seinen Weg aus Verona durch die Lager Bozen, Flossenbürg und Hersbruck bis zu seiner Flucht auf dem Todesmarsch Richtung Dachau.

Lenz, Hans-Friedrich; Sagen Sie, Herr Pfarrer, wie kommen Sie zur SS?

Bericht eines Pfarrers der Bekennenden Kirche über seine Erlebnisse im Kirchenkampf und als SS-Oberscharführer im Konzentrationslager Hersbruck, Gießen, ABC-Team 1982, Gießen,Basel 3. überarb. Aufl. 1989 (zur Zeit 2014 nur anti­qua­risch erhältlich).

Der Bericht des Pfarrer H.F. Lenz über seine Erlebnisse als Lagerschreiber im KZ Hersbruck 1944/45. Seine Aufzeichnungen und Erinnerungen sind eines der frühesten und präzi­sesten Zeugnisse über den Lageralltag und die Vorkommnisse in Hersbruck.

Schön, Peter; Vittore Bocchetta Leben und Werk

Sonderausgabe zu „Häftlinge im Lager Hersbruck“, Hersbruck 2017 zum 99. Geburtstag von Vittore Bocchetta, 30 Seiten mit Bildern, Spiralbindung, Nachdruck 2018, Preis 15,00 EURO

In 6 Kapiteln werden Leben und Werk des bekannten italie­ni­schen Künstlers, Weltbürgers und Zeitzeugen des KZ Hersbruck geschildert. Dabei werden Zusammenhänge erläutert, die in bisher keiner deut­schen Schilderung zum Schöpfer der Skulptur „Ohne Namen“ im Hersbrucker Rosengarten zugänglich sind. Ich habe es vor allem unter der Frage gelesen, was hat der junge Vittore getan, um schließlich nach Hersbruck verschleppt zu werden. Ein beson­deres Buch! Geeignet zu lesen mit Schülern zur Auseinandersetzung mit dem National(sozial)ismus bzw. Faschismus, sehr lebensnah verständlich berichtet.
(Wr.)

Kornmayer, Paul; Verfolgt, depor­tiert, ermordet. Die Geschichte der Sinti in Hersbruck 1939–1945

erschienen 2018, ISBN 978–3‑9815005–5‑4, ca. 60 S. mit Bildern. VK 8,95 Euro

Am 8.3.1943 wurden Sinti aus vier in Hersbruck ansäs­sigen Familien, davon zwei Familien komplett, aus ihren Wohnungen geholt und über das Schubgefängnis in Nürnberg ins Zigeunerfamilienlager nach Auschwitz depor­tiert. Einzelne kehrten nach einer Odyssee durch verschiedene KZ nach dem Krieg zurück. Kornmayer recher­chiert die Schicksale der Verschleppten und beschreibt die Auswirkungen der staat­lichen NS-Rassenpolitik auf die Familiengeschichten und die Personen, die einmal Mitbürger in Hersbruck waren.
Mit einem Vorwort von Bürgermeister Robert Ilg.
(Wr.)

Schön Peter, Häftlingsbuch, KZ Hersbruck

hrsg. Dokumentationsstätte KZ Hersbruck e.V. Juli 2019,
ISBN 978–3‑9815–0051‑6, 25

Ein Erinnerungsbuch für die Opfer und zugleich ein Lernbuch für die jüngere Generation. Elf Jahre lang hat Autor Peter Schön daran gear­beitet.
Das Leid der Opfer würdigen und aner­kennen ? das will Peter Schön. Er hat im ersten Teil die Schicksale von über 40 Häftlingen zusam­men­ge­tragen, die einst hier im Lager inhaf­tiert waren. Er gibt ihnen ein Gesicht, und gewährt Einblick in deren Leben und in ihr Leiden. Keine anonymen histo­ri­schen Fakten ? 9500 Häftlinge aus 23 Nationen waren von Juni 1944 bis April 1945 im Lager in Hersbruck inhaf­tiert ? sondern Schicksale, Gesichter, Menschen. Mitfühlen, Empathie ist nötig, um ein rich­tiger Mensch zu werden.
Die weiteren Teile erzählen von weiteren Opfern des NS-Regimes. Von Hans-Friedrich Lenz, der 1944 zwangs­weise der SS über­stellt wurde und dann Lagerschreiber im KZ Hersbruck war. Er sagte später als Zeuge bei den Prozessen gegen Nazi-Funktionäre aus. Und Hannes von Miller, geboren 1930 in Hersbruck. Als 13-Jähriger musste er mit dem Pferdefuhrwerk im Auftrag der SS Fuhrdienste erle­digen und auch Leichen trans­por­tieren. Daneben befasst sich Schön mit der Geschichte des Hersbrucker Lagers, dem Doggerwerk und dem Lager in Förrenbach. Auch der Befreiung des KZ Hersbruck widmet er einige Seiten. Erhältlich beim Verein und im Buchhandel.
Am Dienstag 30.07.2019 war in den Nürnberger Nachrichten ein Artikel über Peter Schön und sein Häftlingsbuch. Hier klicken

Inhaltsverzeichnis/Häftlinge

Weitere Literatur

 

Auer, Horst:

Es bluten Herz und Seele über dem Jammertal, in: Nürnberger Nachrichten 06/08/83, Nürnberg 1983 

Baier, Alfons / Freitag, Dieter (1996):

Das Doggerwerk bei Happurg (Nürnberger Land) –
Zur Geschichte und Geologie einer unter­ir­di­schen Rüstungsfabrik.- Geol. Bl. NO-Bayern 46, 3/4: 145–174, 4 Abb., 5 Taf., Erlangen 1996. 

Blanz, Fritz / Johannes Graßl / Gerd Vanselow (Hg): KZ Hersbruck:

Überlebende berichten, Hersbruck [Selbstverl.], ca. 1983 

Bocchetta, Vittore:

Eye of the eagle, o.O. 1991 

Brenner, Hans:

Der „Arbeitseinsatz“ der KZ-Häftlinge in den Außenlagern des Konzentrationslagers Flossenbürg – ein Überblick, in: Ulrich Herbert / Karin Orth / Christoph Dieckmann (Hg): Die natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Konzentrationslager – Entwicklung und Struktur, Wallstein 1998, S. 682–706 

Buschheuer, Hans-Peter:

Verschwiegen und vergessen: das KZ Hersbruck, in: Plärrer 8/83, Nürnberg 1983, S. 27 – 30 

Eichmann, Bernd:

Versteinert, verharmlost, vergessen : KZ-Gedenkstätten in der Bundesrepublik Deutschland, Frankfurt am Main, 1986 Engelmann, Bernt: Bis alles in Scherben fällt : wie wir die Nazizeit erlebten 1939 – 1945, Köln 1983 

Engelmann, Bernt:

Im Gleichschritt marsch : wie wir die Nazizeit erlebten 1933 – 1939, Köln 1982 

Fuchs, Siegfried / Eckhardt Pfeiffer:

Eine Internationale der Gestrandeten, in: Heimat, Jg. 65, Nr. 3, Hersbruck 1995

Graf, Karin:

Zitronen aus Kanada. Das Leben mit Auschwitz des Stanislaw Hantz. Biographische Erzählungen, Auschwitz o.J. (ca. 1998) 

 Grünwald, Michael:

Der Kirchenkampf im Dritten Reich in Hersbruck, in: Heimat, Jg. 62, Hersbruck 1992 

Guderzo, Giulio:

Teresio Olivelli. I. Prezzo della Libertá, Roma, 1987 

Justiz und NS-Verbrechen.

Strafurteile wegen natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Tötungsverbrechen 1945 – 1966. Bearbeitet von Adelheit L. Rüther-Erlemann, Band IV, Amsterdam 1971, S. 695 – 722 

Heigl, Peter:

Konzentrationslager Flossenbürg – In Geschichte und Gegenwart, Regensburg, 1989 

Kapp, Georg:

Aufregende Tage vor und nach der „Stunde null“: aus den Erinnerungen des ersten gewählten Bürgermeisters von Hersbruck nach dem zweiten Weltkrieg, in: Heimat, Jg. 65, Hersbruck, 1995 

Kapp, Georg:

Erinnerungen an Hersbruck 1945 – 1951, unver­öf­fentl. Manuskript, o.J., Stadtarchiv Hersbruck 

Kapp, Georg / Eddie Sand:

In Hersbruck war ein Auffanglager für Letten, in: Heimat, Jg. 63, Hersbruck, 1993 

Krasinski, Janusz:

Der Karren, Frankfurt/Main 1970 

KZ-Außenlager.

Geschichte und Erinnerung, Dachauer Hefte, 15. Jg. 1999, Heft 15, Dachau 1999 

Luchterhand, Elmer:

Das KZ in der Kleinstadt. Erinnerungen einer Gemeinde an den unsys­te­ma­ti­schen Völkermord, in: Peukert, Detlev / Jürgen Reulecke (Hrsg.), Die Reihen fest geschlossen. Beiträge zur Geschichte desAlltags unterm Hakenkreuz, Wuppertal 1981, S. 435–454;

Monninger, Hans:

Kriegschronik des Evangelisch-Lutherischen Pfarramtes Hersbruck. Handschrift des 1. Pfarrers und Dekans Hans Monninger, Stadtarchiv Hersbruck

Pfeiffer, Eckhardt (Hg):

Hersbrucker Land in schlimmer Zeit 1939 – 1945. Eine Dokumentation der Hersbrucker Zeitung, Hersbruck, 1985 

Richter, Hans-Werner:

Sie fielen aus Gottes Hand, München 1976 

Schmidt, Alexander:

Eine unauf­fällige Geschichte. KZ-Außenlager in der Region Nürnberg, in: Dachauer Hefte, Heft 15 (1999), S. 153–173 

Siegert, Toni:

Das Konzentrationslager Flossenbürg. Ein Lager für soge­nannte Asoziale und Kriminelle, in: Broszat, Martin / Elke Fröhlich (Hg.): Bayern in der NS-Zeit, Bd. II, München, Wien 1979, S. 429 – 492 

Siegert, Toni:

30000 Tote mahnen! Die Geschichte des Konzentrationslagers Flossenbürg und seiner 100 Außenlager von 1938 bis 1945, Weiden, 1984 

Sigel, Robert:

Im Interesse der Gerechtigkeit. Die Dachauer Kriegsverbrecherprozesse 1945 – 1948, Frankfurt/Main, New York: Campus, 1992 

Stadtlbauer, Josef:

Internierungslager Hersbruck, in: Waldmünchner Heimatbote, Heft 12, 1985, S. 67 –78 Teitelbaum, Bernhard: „… ob ich schon wanderte im finstern Tal …“. Erinnerungen an die schwere Zeit 1941 – 1945, Mühlhausen (Selbstverlag) 1996 

Thaler, Franz:

Unvergessen – Option, Konzentrationslager, Kriegsgefangenschaft, Heimkehr. Ein Sarner erzählt, München 1991