Kunstwettbewerb Hersbruck 2021/22

Akademie Faber-Castell, Grafik-Design B.A.

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Team Akademie Faber-Castell, Grafik-Design B.A.

Team Akademie Faber-Castell, Grafik-Design B.A.

Spuren im Asphalt

DER HÄFTLINGSWEG
Piktografische Zeichen auf Fahrbahn und Gehweg entlang der Häftlingsstrecke vom KZ Lagergelände zum Doggerstollen und zurück

Projektarbeit im Modul Visuelle Wahrnehmung und Gestaltung
Akademie Faber-Castell, Studiengang Grafik-Design, Studium Berufsbegleitend
www.akademie-faber-castell.de

Projektteam (v. l. n. r.)
Claus Weidinger
Gerd Beck (Dozent, Studienleiter)
Lisa Steger
Carolin Hensler
Lisa Klopf

Spuren im Asphalt

DER HÄFTLINGSWEG
Piktografische Zeichen auf Fahrbahn und Gehweg entlang der Häftlingsstrecke vom KZ Lagergelände zum Doggerstollen und zurück

INHALTLICHE AUSEINANDERSETZUNG
Der Häftlingsweg vom Lagerge­lände zum Doggerstollen ist der zentrale Ort der Begegnung, des Aufeinandertreffens von Arbeitssklaven (1) und Bürgerinnen und Bürgern Hersbrucks und Umgebung. Niemand konnte nach dem Krieg behaupten, »er/sie hätte nichts gewußt«, denn bis zu sechsmal am Tag konnten die Menschen in Hersbruck einen ausge­hun­gerten und völlig entkräf­teten Zug Zwangsarbeiter auf dem Weg zur Arbeit und zurück beob­achten. Doch niemand sollte heute vorschnell von Unmenschlichkeit, Ignoranz und fehlendem Mitgefühl seitens der Hersbrucker urteilen, denn jeder Kontakt, jeglicher »Annäherungsversuch waren unter Androhung dras­ti­scher Bestrafung durch die Lagerkommandantur strengstens verboten. – und fanden trotzdem statt. Ver­schiedenste Aufzeichnungen von über­le­benden Häftlingen bezeugen, wie es immer wieder mutige Menschen wagten, den Zwangsarbeitern Lebensmittel zuzu­stecken: Äpfel und Kartoffeln entlang des Weges (2); Brotkrumen hinter Gartenzäunen (3); frische Semmeln von Kindern an Weihnachten (4) … Diese Geschichten, die im Zusammenhang mit dem »Häftlingsweg« stehen, sollen als narrative Spuren im Asphalt sowohl an die Leidensgeschichte und die unmensch­lichen Ereignisse in Hersbruck, aber auch an Menschen erinnern, die mit mutigen Taten dem menschen­ver­ach­tenden Regime der Nationalsozialisten ­entge­gen­traten und versuchten, das Leid der Häftlinge zu lindern.

PIKTOGRAFISCHE FORMENSPRACHE
Dieses unglaub­liche Leid ist mit Worten schwer zu beschreiben … wie soll es da mit stark formal redu­zierten Bildzeichen zu vermitteln sein? Der unmit­telbare »ErinnerungsRAUM« des dama­ligen Häftlingswegs ist der Straßenverkehr von heute. So ist es inhaltlich durchaus befremdlich, ande­rer­seits ein nahe­lie­gender Gedanke direkt auf den Straßenasphalt Zeichen im Stil der uns vertrauten Straßenschilder und Fahrbahnmarkierungen zu plat­zieren. Die von jedem Verkehrsteilnehmer gelernte Signaletik der Gebots- und Verbotsschilder war Ausgangspunkt für eine Erweiterung und/oder Umdeutung dieser Bildsprache. Oft sind es Details, kleine Veränderungen die erst auf den zweiten Blick mit der vertrauten Visualität brechen und am Rande der Spielstraße unver­mutet ein Gefangenenlager zeigen. Dieses Moment der Überraschung soll Neugierde wecken und mittels QR-Code auf ausführ­li­chere Informationen im Zusammenhang mit dem Häftlingsweg verweisen. So wird mit 10 – 15 Fahrbahnmarkierungen entlang der etwa 5 Kilometer langen Strecke etap­pen­weise vom KZ Außenlager, dem Marsch in den Doggerstollen und der Begegnung der Häftlinge mit der Hersbrucker Bevölkerung ein pikto­gra­fi­sches Storytelling entwickelt.

(1) Zitiert nach Faul, Gerhard: Sklavenarbeiter für den Endsieg, Dokumentationsstätte KZ Hersbruck e. V., Feb. 2003
(2) ebenda, S. 54
(3) Zitiert nach Engelmann, Bernt: Bis alles in Scherben fällt – Wie wir die Nazizeit 1939 – 1945 erlebten, Kiepenheuer & Witsch, Köln 1983
(4) Faul, Gerhard: Sklavenarbeiter für den Endsieg, Dokumentationsstätte KZ Hersbruck e. V., Feb. 2003, S. 90

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